kanzleimarkt

add on

Ein Add-on ist eine zusätzliche Kanzlei oder Beteiligung, die von einer bereits bestehenden größeren Kanzlei oder Kanzleigruppe erworben wird. Der Erwerber verfügt also bereits über eine Plattform und erweitert diese durch weitere Zukäufe. Add-ons sind damit ein wesentlicher Bestandteil von Buy-and-Build-Strategien.

🏢 Bedeutung im Kanzleimarkt

Im Kanzleimarkt treten insbesondere größere Kanzleigruppen und von Finanzinvestoren unterstützte Plattformen als regelmäßige Käufer von Add-ons auf. Statt ausschließlich organisch durch neue Mandanten und Mitarbeiter zu wachsen, erwerben sie bestehende Kanzleien und integrieren deren Mandanten, Mitarbeiter, Berufsträger, Standorte und Umsätze in die eigene Gruppe.

Für Verkäufer kann eine solche Konstellation interessant sein, weil der Käufer bereits über Strukturen, Finanzierung und Erfahrung mit Kanzleiübernahmen verfügt. Ein Add-on muss dabei nicht zwangsläufig vollständig in die Plattformkanzlei eingegliedert werden. Je nach Erwerber können Kanzleiname, Standort, Geschäftsführung und bisherige Strukturen zunächst teilweise erhalten bleiben.

Für die Bewertung ist wichtig, dass ein strategischer Add-on-Käufer eine Kanzlei anders beurteilen kann als ein einzelner Berufsträger. Beispielsweise können vorhandenes Personal, regionale Präsenz, bestimmte Mandantengruppen oder Synergien für eine Kanzleigruppe einen zusätzlichen Wert besitzen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Add-on-Käufer immer den höchsten Kaufpreis zahlt.

🔎 Praxisbezug / typische Konstellationen

Eine überregionale Kanzleigruppe möchte beispielsweise in einer bestimmten Region wachsen. Statt dort eine neue Niederlassung mit neuen Mitarbeitern und Mandanten aufzubauen, kauft sie eine bestehende Kanzlei mit eingespieltem Team und vorhandenem Mandantenstamm.

Auch kleinere Kanzleien können für eine Plattform als Add-on attraktiv sein. Entscheidend ist häufig weniger die Größe allein als die Frage, wie gut die Kanzlei strategisch zur bestehenden Gruppe passt. Neben Umsatz und Rendite können deshalb insbesondere Standort, Mitarbeiter, Berufsträger, Spezialisierungen, Digitalisierung und Integrationsfähigkeit relevant sein.

Add-on-Akquisitionen sind regelmäßig Teil einer Buy-and-Build-Strategie: Auf eine bestehende Plattform werden weitere Unternehmen „aufgebaut“, um beispielsweise regional zu expandieren und Synergien zu erzielen. PwC beschreibt Buy-and-Build entsprechend als Erwerb eines Plattformunternehmens und anschließende Akquisition ergänzender Unternehmen. ([PwC][1])

💡 kanzleimarkt-Tipp

Wer seine Kanzlei verkauft, sollte einen Add-on-Käufer nicht allein nach dessen Kaufpreis beurteilen. Lassen Sie sich konkret erklären, was nach der Übernahme mit Mitarbeitern, Standort, Mandanten, Kanzleinamen und Ihrer eigenen Tätigkeit geschehen soll. Gerade bei Kanzleigruppen unterscheiden sich Integrationsmodelle erheblich. Gleichzeitig lohnt es sich, mehrere Plattformen miteinander zu vergleichen: Derselbe Kanzleibetrieb kann für unterschiedliche Käufer strategisch unterschiedlich wertvoll sein.

Weiterführende Begriffe im ABC: