ABC für den Kauf oder Verkauf von Kanzleien: Buchstabe s
Shortlist
Die Shortlist bezeichnet im Auswahlprozess die engere Auswahl von Kandidaten, die nach einer ersten Prüfung als besonders geeignet erscheinen. Sie entsteht in der Regel aus einer zuvor definierten Longlist.
Nachdem zunächst eine größere Zahl potenzieller Kandidaten identifiziert wurde, werden diese anhand verschiedener Kriterien bewertet, etwa:
- fachliche Qualifikation
- Berufserfahrung
- regionale Verfügbarkeit
- Interesse an Kanzleikauf, Vergesellschaftung oder einer Vakanz
- wirtschaftliche und persönliche Rahmenbedingungen
Nur die Kandidaten, die diese Anforderungen überzeugend erfüllen und ernsthaftes Interesse signalisieren, gelangen auf die Shortlist.
Im weiteren Prozess erhalten die Kandidaten der Shortlist in der Regel vertiefende Informationen, etwa ein anonymisiertes Exposé, und werden zu ersten Gesprächen eingeladen. Ziel der Shortlist ist es, den Kreis der Interessenten so zu reduzieren, dass strukturierte und effiziente Gespräche mit den wirklich passenden Kandidaten möglich sind.
kanzleimarkt-Tipp:
Eine gute Shortlist ist bewusst klein. Erfahrungsgemäß reichen oft drei bis fünf ernsthafte Interessenten, um einen erfolgreichen Verkaufs- oder Besetzungsprozess zu erreichen. Zu viele Kandidaten verlängern den Prozess unnötig und erschweren die Diskretion.
Siehe auch:
Longlist · Direktansprache · Vakanz · Positionsprofil · Vergesellschaftung
Side Step
Als Side Step bezeichnet man einen beruflichen Wechsel, der nicht in erster Linie mit einem klassischen Karriereschritt (z. B. Beförderung) verbunden ist, sondern eher eine seitliche Veränderung darstellt. Der Kandidat übernimmt eine vergleichbare Position, häufig in einer anderen Kanzlei oder Organisation.
Ein Side Step kann aus verschiedenen Gründen sinnvoll sein:
- Wechsel in eine größere oder kleinere Kanzlei
- Veränderung des Tätigkeitsschwerpunkts oder der Mandantenstruktur
- bessere Work-Life-Balance
- Wechsel in eine andere Region
- Vorbereitung auf eine spätere Partnerschaft oder Vergesellschaftung
Gerade bei Berufsträgern wie Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern oder Rechtsanwälten ist ein Side Step oft ein strategischer Zwischenschritt. Der Wechsel ermöglicht beispielsweise mehr Mandantenkontakt, Führungserfahrung oder unternehmerische Verantwortung – Voraussetzungen, die später für eine Partnerposition oder den Kauf einer Kanzlei wichtig sein können.
kanzleimarkt-Tipp:
Ein Side Step kann langfristig wertvoller sein als ein schneller Karrieresprung. Wer gezielt Erfahrungen sammelt – etwa in der Mandantenführung oder in der Kanzleiorganisation – verbessert seine Chancen auf eine spätere Partnerschaft oder Kanzleiübernahme deutlich.
Siehe auch:
Karriereweg · Partnerstelle · Vergesellschaftung · Vakanz · Executive Search
Spezialisierung
Ein Marktvorteil – besonders in einer grösseren Region und bei dichtem Wettbewerb – ist die Spezialisierung > die Kanzlei konzentriert sich auf eins oder wenige Fachgebiete.
Vorteile dieser Strategie:
- Zielgruppenausrichtung
- Fachkompetenz
- Möglichkeit, einen guten Ruf und hohen Bekanntheitsgrad im Spezialgebiet zu erreichen
Eine Praxis als Generalist zu führen und viele Fachgebiete zu bearbeiten, führt gerade bei kleinen Kanzleien mit wenigen Berufsträgern entweder zur unrentabler Mandatsbearbeitung (hoher Rechercheaufwand) oder die Qualität der Mandatsbearbeitung leidet – es ist schlicht unmöglich, in allen Fachgebieten ständig auf dem Laufenden zu sein. Beide Situationen sind der erfolgreichen Kanzleientwicklung nicht zuträglich. Mit einer überlegten Strategie und einer daraus abgeleiteten Spezialisierung hingegen kann eine Kanzlei ihr Profil schärfen und wird von Dritten ganz anders wahrgenommen.
Standort
Der Standort einer Kanzlei beschreibt die geografische und wirtschaftliche Umgebung, in der Mandanten gewonnen, Mitarbeiter rekrutiert und Leistungen erbracht werden. Für die Bewertung einer Steuerberater-, Wirtschaftsprüfer- oder Rechtsanwaltskanzlei ist der Standort ein wichtiger Faktor, lässt sich jedoch nur begrenzt objektiv beurteilen.
Grundsätzlich gelten wirtschaftsstarke Regionen mit wachsender Bevölkerung und vielen Unternehmen als vorteilhaft. Gleichzeitig kann auch ein Standort in einer strukturschwächeren Region erfolgreich sein – etwa wenn die Kanzlei eine klare Spezialisierung entwickelt oder in ihrem lokalen Markt eine starke Stellung hat.
Um dennoch eine vergleichbare Einordnung zu ermöglichen, nutzt kanzleimarkt häufig den Prognos Zukunftsatlas, der Regionen in Deutschland nach wirtschaftlicher Zukunftsfähigkeit bewertet und im Internet öffentlich zugänglich ist. Dieser Index liefert eine Orientierung für Investoren und Käufer, ersetzt jedoch nicht die individuelle Betrachtung der lokalen Marktverhältnisse.
kanzleimarkt-Tipp:
Ein schwacher Standort ist nicht automatisch ein Nachteil. Häufig sind dort Wettbewerb, Personalkosten und Mandantenbindung stabiler als in Großstädten. Entscheidend ist weniger die Region selbst als die Frage, ob die Kanzlei dort eine klare Position im Markt aufgebaut hat.
Stichtag
Der Bewertungsstichtag und der Zeitraum, in dem die Bewertung durchgeführt wird sowie der Zeitpunkt, an dem das Unternehmen vom Veräusserer auf den Erwerber übergeht, können voneinander abweichen. Es muss Einigkeit darüber bestehen, wie Veränderungen berücksichtigt werden.
Sympathie
Sympathie ist bei einem Kanzleiverkauf grundsätzlich eine positive Eigenschaft. Wenn Verkäufer und Erwerber sich persönlich gut verstehen, erleichtert das Gespräche, Vertragsverhandlungen und insbesondere die Überleitung der Mandanten.
Trotzdem sollte Sympathie niemals das einzige Entscheidungskriterium sein. Ein Kanzleiverkauf ist eine komplexe wirtschaftliche und organisatorische Entscheidung. Neben der persönlichen Ebene müssen viele weitere Faktoren berücksichtigt werden, etwa fachliche Qualifikation, Finanzierung, strategische Vorstellungen, Umgang mit Mitarbeitern und die langfristige Entwicklung der Kanzlei.
Ein häufiger Fehler besteht darin, eine Kanzlei allein aufgrund persönlicher Sympathie an einen Interessenten zu verkaufen und sich später zu wundern, warum die Zusammenarbeit oder die Überleitung nicht wie erwartet funktioniert hat.
Deshalb ist es wichtig, immer mehrere Interessenten zu betrachten und die unterschiedlichen Optionen sorgfältig zu vergleichen. Auch der Austausch mit einem erfahrenen Vermittler kann dabei helfen. Ein Makler oder Berater, der bereits zahlreiche Kanzleiverkäufe begleitet hat, bringt wertvolle Erfahrung ein und kann die Stärken und Schwächen einzelner Interessenten realistisch einschätzen.
Am Ende trifft natürlich immer der Verkäufer die Entscheidung. Er allein bestimmt, wer der Käufer seiner Kanzlei wird. Die Einschätzung eines erfahrenen Vermittlers kann dabei eine hilfreiche Orientierung sein.
kanzleimarkt-Tipp:
Sympathie ist wichtig – aber sie sollte nie das einzige Argument sein. Prüfen Sie mehrere Interessenten sorgfältig und beziehen Sie die Erfahrung Ihres Beraters in die Entscheidung ein.
Weiterführende Begriffe im ABC
Kanzleiverkauf
Überleitende Tätigkeit
Beratung
Mandantenstamm
