Bewertungsverfahren
Bewertungsverfahren sind Methoden, mit denen ein wirtschaftlich nachvollziehbarer Wert einer Kanzlei ermittelt wird. Beim tatsächlichen Verkauf von Steuerberatungs-, Wirtschaftsprüfungs- und Rechtsanwaltskanzleien stehen praxisorientierte Verfahren im Vordergrund. Entscheidend bleibt jedoch der Markt: Ein rechnerischer Kanzleiwert ist noch kein erzielbarer Kaufpreis.
🏢 Bedeutung im Kanzleimarkt
In der Praxis des Kanzleiverkaufs dominiert insbesondere die Multiplikator-Methode. Dabei wird ein nachhaltig erzielbarer beziehungsweise übertragbarer Honorarumsatz mit einem marktgerechten Multiplikator bewertet. Dessen Höhe hängt von der Qualität und Attraktivität der jeweiligen Kanzlei ab.
Daneben spielt die Ertragskraft eine zunehmend wichtige Rolle. Rendite beziehungsweise nachhaltig erzielbarer Gewinn werden deshalb entweder unmittelbar bei der Bewertung berücksichtigt oder beeinflussen wesentlich die Höhe des anzusetzenden Multiplikators.
Bei größeren Kanzleien und insbesondere bei professionellen Kanzleigruppen und Investoren gewinnen ertragsorientierte Betrachtungen weiter an Bedeutung. Kaufinteressenten beurteilen dabei vor allem, welcher nachhaltige Ertrag nach der Übernahme tatsächlich verbleibt und wie sich der Kaufpreis daraus finanzieren lässt.
Es existieren darüber hinaus wissenschaftliche und theoretische Bewertungsansätze. Sie können zusätzliche Erkenntnisse liefern und Bewertungsmodelle verfeinern. Auch das anspruchsvollste Bewertungsverfahren vermag jedoch ein Grundprinzip nicht zu durchbrechen: Der tatsächlich erzielbare Kaufpreis entsteht durch Angebot und Nachfrage.
🔎 Praxisbezug / typische Konstellationen
Eine Kanzlei mit 1 Mio. € Umsatz kann beispielsweise trotz identischem Umsatz erheblich mehr wert sein als eine andere Kanzlei gleicher Größe. Eine hohe nachhaltige Rendite, produktive Mitarbeiter, geringe Inhaberabhängigkeit, ein attraktiver Mandantenstamm und eine gute Organisation können einen höheren Multiplikator rechtfertigen.
Umgekehrt führt ein mathematisch errechneter hoher Kanzleiwert nicht automatisch zu einem entsprechenden Kaufpreis. Gibt es für eine Kanzlei aufgrund ihrer Region, Struktur oder anderer Besonderheiten nur wenige geeignete Erwerber, begrenzt die Nachfrage den erzielbaren Preis.
🔗 Weiterführende Begriffe
Benchmark
Kanzleibewertung
Multiplikator
💡 kanzleimarkt-Tipp
Verwechseln Sie Bewertungsverfahren nicht mit Preisfindung. Eine gute Bewertung liefert einen fundierten Ausgangspunkt für Verhandlungen. Ob dieser Wert tatsächlich erzielt wird, zeigt sich aber erst im Markt. Deshalb ist eine belastbare Einschätzung der konkreten Käufernachfrage mindestens ebenso wichtig wie die Berechnung selbst.
